Eindeutig und uneingeschränkt Gold“ – kaum einer der Filme der letzten Jahre war so beeindruckend wie „Der Anarchist“ von „Murat sein Benz“. Vollkommen zurecht erreichte Yasemin Said deshalb zusammen mit zwei Mitstudierenden 2015 den ersten Platz der Tübinale.

Die 22-jährige kommt ursprünglich aus Leipzig und studiert zum aktuellen Zeitpunkt Medienwissenschaft und Orientalistik im sechsten Semester. Allerdings kam sie bereits vorher mit dem Filmbereich in Berührung: „Nach dem Abitur habe ich in Berlin zwei Jahre in der Filmproduktion mitgearbeitet und dort einen guten Einblick bekommen“, erzählt Said. Im Rahmen des Theaterprojekts Spinnwerk in ihrer Heimatstadt drehte sie außerdem Trailer für Theaterstücke, und auch im Kurzfilmbereich hat sie gemeinsam mit Freunden bereits erste Erfahrungen gesammelt. „Diese wurden allerdings nicht veröffentlicht, der Film für die Tübinale war mein erster in offiziellem Rahmen“, so Said weiter.

In dieser ersten Erfahrung mit einer größeren Menschengruppe sieht sie auch eine große Herausforderung für die Teilnehmer. Hätten diese vorher noch keine Kenntnisse, gestalte sich die technische Umsetzung, insbesondere der Ton, sehr schwierig. Es sei daher wichtig, mit diesem Frust gut umzugehen und auch Abstriche hinsichtlich der ursprünglichen Planung zu machen, findet sie. Man sollte sich eingestehen, welche Qualifikationen man mitbringt und wo es besser ist, sich Hilfe zu holen. „Gerade der Lerneffekt ist hier sehr wichtig. Im Filmgeschäft macht eine Person schließlich auch nie alles alleine“, sagt Said. Eine etwas verwackelte Kamera ist für sie dennoch nicht gleich problematisch, da ihr die eigentliche Filmidee deutlich wichtiger ist.

Das Filmdrama „Mustang“ beeindruckte sie persönlich in letzter Zeit am meisten. Allgemein möchte sie sich jedoch nicht auf bestimmte Lieblingsfilme oder Genres festlegen. Viel bedeutsamer sind für sie gute Dialoge und visuell anspruchsvolle Bilder. „Ich finde es wichtig, für verschiedenes offen zu sein und sich auch an ungewohnte Genres heranzuwagen“, betont Said.

Das diesjährige Thema Medienkonvergenz und Partizipation findet diese vor allem aus politischer Perspektive interessant, weil Personen dort durch die zunehmende Medialisierung an viel mehr Bereichen teilhaben können: „Durch etwa Foren rückt alles näher zusammen, wodurch Demokratie erwartet und eingefordert werden kann. Selbst wenn die Politik nicht immer direkt beeinflusst wird, steht sie doch unter ständiger Beobachtung.“

von Andreas Blumberg