Die Videoexpo geht in Magdeburg dieses Jahr schon in die 19. Runde und hat sich dort etabliert, regelrecht gefestigt. Die Tübinale kommt dagegen eher etwas kleiner daher und ist in Tübingen noch darum bemüht, den Bekanntheitsgrad über die Medienwissenschaft hinaus zu erweitern. Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach erzählt in einem Interview von den Anfängen und von seinen Zukunftsplänen für die Tübinale.

Wie alles begann…

„Die Videoexpo wurde in Magdeburg unter der Leitung von Prof. Dr. Winfried Marotzki von der Fakultät für Humanwissenschaft ins Leben gerufen. Ich war damals als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Organisation beteiligt und war immer beeindruckt von der Veranstaltung“, erzählt Sachs-Hombach. Er versuchte dieses Event auch an anderen Universitäten und Standorten zu etablieren, beispielsweise in Chemnitz. Gelungen ist ihm dieses Vorhaben aber bisher nur in Tübingen, da dort das Studium der Medienwissenschaft einen vergleichsweise großen Praxisanteil in der Studienordnung vorsieht und er diese Idee deswegen relativ leicht von den verschiedenen Ämtern und Entscheidungsträgern genehmigt bekam.

Vergleich

Das Vorbild aus Magdeburg ist demnach ein wichtiger Anker für die Tübinale – mehr jedoch auch nicht! Sachs-Hombach war und ist darum bemüht eine eigene Marke zu schaffen und sich durch Kleinigkeiten von der Videoexpo abzuheben. Gleich ist, dass die Studenten einen Film als Prüfungsleistung einreichen können und die Teams aus Dreiergruppen bestehen. In Magdeburg setzen sich die Gruppen jedoch häufig aus Informatikern und Studenten der PC-Visualistik zusammen. Weiterhin besteht die thematische Aufgabe lediglich darin, aktuelle gesellschaftliche Probleme zu thematisieren. Bei der Tübinale gibt es enger gefasste Themen, deren Umsetzung wesentlich mit in die Bewertung einfließt. Außerdem begrüßt Sach-Hombach die generelle Organisation im Modulhandbuch: „In Magdeburg haben zwar auch Studenten in höheren Semestern die Veranstaltung organisiert, doch im Gegensatz zu der Tübinale mussten diese es freiwillig und ohne Leistungspunkte nebenher tun. Ich finde es hier ideal, dass ich die Medienkonvergenzvorlesung halten und das Abschlussprojekt, in dem die Tübinale geplant wird, leiten kann“, sagt er.

Ein Blick in die Glaskugel

Sachs-Hombach hat schon einiges mit seinem „Baby“, der Tübinale erreicht, doch er sieht deren Werdegang noch lange nicht am Ende und noch Platz für eine Entwicklung. „Das Thema der Vorlesung ist ja Medienkonvergenz. Deshalb finde ich es für die höheren Semester, die die Tübinale planen, sehr wichtig, dass sie dieses medienkonvergente Denken innerhalb eines Projekts praktisch erfahren“, so Sach-Hombach. Das bedeutet, dass neben der eigentlichen Organisation alle möglichen medialen Kanäle verwendet werden sollten, wie beispielsweise dieser Blog, eine Zeitschrift, kleinere Film- oder Hörfunkbeiträge und ein Internetauftritt.

Darüber hinaus plant er ein weiteres Seminar für Masterstudenten zu übernehmen, welche die „Tübinger Medientage“ organisieren sollen, bei denen das Thema durch Vorträge oder Workshops wissenschaftlich beleuchtet wird. Diese sollen dann in der Tübinale gipfeln, die den krönenden Abschluss bildet. Ein solches Modell wurde bereits dieses Jahr ins Auge gefasst, doch wegen des zu großen Aufwands für eine einzelne Gruppe aufgegeben, was die Realisierung durch ein Masterseminar denkbarer macht.

Zuletzt ist es Sach-Hombach wichtig, in Zukunft vermehrt das Thema und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem zu fokussieren. Ein perfekter Spielfilm ist für ihn zweitrangig, vielmehr möchte er zu einer wissenschaftlichen Fragestellung und deren filmischen Auseinandersetzung zurückkehren. „Hier muss auf jeden Fall nach einer Lösung gesucht werden, da man einen guten Film, der jedoch nicht wissenschaftlich genug ist, auch nicht degradieren möchte. Das ist noch eine Gradwanderung – gewissermaßen eine Grauzone“, so Sachs-Hombach abschließend.

Die Videoexpo alt aussehen lassen!

Wir alle sind dankbar für den Import einer solch unterhaltsamen, aber vor allem auch lehrhaften Veranstaltung. Die Ziele für die Zukunft sind hoch angesetzt, doch machen Hoffnungen auf ein noch größeres und allumfassendes Event. Mit einer Dreiteilung des Großprojektes in die Filme aus dem dritten Semester, die Organisation der Tübinale durch die Fünftsemester und mögliche Tübinger Medientage von Masterstudenten könnte die Veranstaltung ungeahnte Dimensionen annehmen und sich damit eindeutig vom „Vorbild“, der Magdeburger Videoexpo, abheben.

von Maya Morlock