Die Angebote und Möglichkeiten sich selbst zu “verbessern” scheinen endlos: Diät machen, Sport, Meditation, diverse Apps, Schrittzähler, Selbsthilfebücher, Schönheits-OPs und vieles mehr. All diese Dinge sollen zu einem “besseren”, “optimierten” Selbst führen. Genau unter diesem Phänomen der “Selbstoptimierung” steht die Tübinale 2021. 

 

Was ist Selbstoptimierung? 

Allgemein lässt sich „Selbstoptimierung“ als ein kontinuierlicher Prozess zusammenfassen, der der “ständigen Verbesserung der persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten mittels Selbstthematisierung, rationaler Selbstkontrolle und permanenter Rückmeldungen hin zur bestmöglichen persönlichen Verfassung” dient.  

Die Optimierung kann dabei jegliche Bereiche des Selbst betreffen. Die Verbesserung kann also physischer, psychischer, sozialer oder geistiger Natur sein und verschiedenste Eigenschaften, Handlungsabläufe oder Ähnliches betreffen. Grob zusammengefasst ist eine Selbstoptimierung eine das Selbst betreffende Veränderung hin zu etwas “Besserem”.  

 

Aber was ist denn nun wirklich ”besser” oder “schlechter” und wer legt das fest?  

Wer die Selbstoptimierungsziele und -maßstäbe festlegt ist stark umstritten und kann nicht grundlegend für alle Menschen entschieden werden. Denn was wir persönlich als “besser” oder “schlechter” empfinden, ist unterschiedlich, je nachdem wie und wo wir sozialisiert wurden. Allerdings gibt es bestimmte (westliche) Normen bezüglich des Aussehens oder gewisser Verhaltensweisen, an denen sich viele Menschen orientieren. Nicht zuletzt, um sich anzupassen und so sicherzustellen, dass sie von der Gesellschaft nicht verurteilt werden. Der Duden definiert den Begriff Selbstoptimierung passend dazu als “freiwillige Anpassung an äußere Zwänge, gesellschaftliche Erwartungen und Ideale”.  

Was als “besser” oder “schlechter” gewertet wird, ist außerdem nicht nur innerhalb von Gesellschaften unterschiedlich, sondern auch zwischen Gesellschaften. So mag es in westlichen Kontexten ein Ideal sein, gebräunte Haut zu haben in vielen asiatischen oder afrikanischen Ländern aber ist eine möglichst helle Haut ein angestrebtes Schönheitsideal.  

Von diesen Bestrebungen die “optimale Form” zu erreichen profitiert vor allem auch der Selbstoptimierungs – Markt. Denn dieser quillt nur so über vor Anti-Aging – Produkten, Abnehmpillen, Aufhellungscremes oder “digitalen Selbsttrackern” wie Schrittzählern, ganz zu schweigen von der Schönheitsmedizin. Auch Fitnessstudios profitieren, ja gerade am Anfang des Jahres, vom Anmeldeboom. (Wie viele Leute das Fitnessstudio tatsächlich regelmäßig besuchen, ist ein anderes Thema). Klar ist, dass die meisten Menschen bereit sind gewisse (Gesundheits-) Risiken gegen eine “optimierte Selbstversion” einzutauschen. 

Zusammenfassend ist also festzuhalten, dass das Konzept der Selbstoptimierung durchaus einer guten Absicht entspringt und zu einer gesünderen Lebensweise beitragen kann. Genauso bringt es aber auch einen ständigen Druck mit sich, der dazu führen kann, dass negative Folgen die ursprünglich guten Absichten überwiegen.  

 

Quelle: bpb.de