Ich sitze an einem kleinen Küchentisch, vor mir ein großes Glas Cola – gekühlt versteht sich. Kleinere Snacks liegen verteilt herum. Sie sollen die Statisten und das Filmteam bei Laune halten, denn PeLuJa-Pictures hat viel geplant. Es klingelt. Man hört die Schritte im Treppenhaus. Ein großer und schmaler Student kommt die langgezogene Küche entlang gelaufen und grüßt etwas verschmitzt lächelnd: „Hallo! Ich bin der Mobber!“

Der Tag der Tage

Doch von vorne. Es ist Sonntag, Ende Januar. Viel zu früh für mein Befinden, sitze ich an diesem schönen Wochenendtag im Zug nach Tübingen. Eine Filmgruppe aus dem dritten Semester des Studiengangs Medienwissenschaft wird heute ihren Film drehen, der dann bei der diesjährigen Tübinale ins Rennen geschickt wird. Keines der Mitglieder kenne ich bis dahin, doch ich werde freundlich von Peter, dem Hahn im Korb, begrüßt. Die Damen der Runde lassen noch etwas auf sich warten, sodass Peter Zeit hat, mir das Konzept zu erklären. Beim vorgegebenen Thema „Medienkonvergenz und Partizipation“ war zunächst ein ordentliches Brainstorming nötig, doch nun sind sich alle einig. Es geht um die Partizipation im Internet vor allem in Foren, welche einen viel zu schnell in unerwartete Kreise ziehen kann, ohne dafür ein Bewusstsein zu entwickeln. Spoilern möchte ich an dieser Stelle aber nicht!

Peters Erwartungen sind hoch: Technische Fehler sollen vermieden werden und sein „Baby“, die Kameraführung, soll aussagekräftig werden. Dafür kramt er ein mobiles Kamerastativ hervor, welches er bequem auf seiner Schulter platzieren kann. Nun sind auch die beiden Frauen, Jana und Luisa, da. Für sie ist es die erste Filmproduktion, Peter hat schon Erfahrungen mit kleineren Videoclips gesammelt. Fix geht es an die erste Szene und der Hauptdarsteller steht auch schon bereit: Es ist Luisas Freund, der sich so charmant als „Mobber“ vorgestellt hat und davon ausging, ich sei ein Mitglied des Casts.

Kamera ab!

Die gedrehte Szene, welche im Film jedoch relativ weit am Ende geplant ist, spielt im Treppenhaus. Lange wird das Bild in Szene gesetzt. Es werden verschiedene Einstellungen ausprobiert. Der „Mobber“, der eigentlich Jonas heißt, muss unzählige Male die Treppe hochlaufen, bis Perfektionist-Peter zufrieden ist. Jana hat die nette Aufgabe der „Klappenfrau“ – sie beschreibt die Klappe mit ihren Szenen und Takes, die Luisa akribisch auf ihrem Storyboard notiert und geplant hat. „Klappe ab“ wird wortwörtlich genommen und Jana klappt fleißig! Der erster Take ist zu dunkel, ruck zuck wird deshalb eine Lampe aufgebaut. Mist! Zweiter Take zu hell, die Wand erstrahlt in grellem Weiß! Nach einigem Hin und Her, ausprobieren und klappen, begleitet von Peters Gesichtsausdrücken die sagen „Nein, das war nichts!“, ist die Szene gelungen und das Team zufrieden.

Anekdoten und Wissenswertes

Den ganzen Tag ist das Team unterwegs und rekrutiert mal hier mal dort verschiedene Schauspieler, deren Darbietungen geprobt und verbessert werden. Die Mimik des Mobbers etwa wird je nach Sinn der Szene angepasst. Die Gruppe war überrascht, dass der Dreh ihren Zeitplan sprengte; sie hatten weitaus weniger Zeit eingeplant. Doch die genauen Einstellungen der Kamera, der Perspektive und des richtigen Lichts waren aufwendig. Die Arbeit und der Biss haben sich für PeLuJa-Pictures jedoch gelohnt; alle drei sind „zufrieden“ bis „begeistert“ und bereuen den Zeitaufwand nicht. Lustige Anekdoten sind geblieben, beispielsweise eine kleine und zierliche Jana, die in einer großen Herrenjacke nahezu verschwindet, obwohl sie dadurch bedrohlich wirken sollte. Das Filmzitat „Du, isch hass die voll!“ prägte den Tag und ist laut Peter bis Heute noch ein Running Gag. Auch die vielen verschiedenen Möglichkeiten behält sich Jana als äußerst amüsant in Erinnerung. Wie doch allein die Musik die Bedeutung einzelner Szenen komplett verändern kann, erstaunte sie sehr.

Fingers crossed

Der Tag mit PeLuJa-Pictures war lang. Er war aber auch unterhaltsam und führte einem die kleinen und vielen Schritte der Filmproduktion vor Augen. Details sind wichtig, um ein gelungenes Ganzes zu schaffen.

von Maya Morlock