Als Teil einer Lehrredaktion, bereitgestellt von den Masterstudenten der Medienwissenschaft, gibt es nun hier bei uns eine kleine Interview-Reihe, bezüglich des Themas Terror in Zeiten der digitalen Medien. Weiter geht es nun mit einem Interview mit dem Psychologen Georg Pieper.
Georg Pieper ist Psychologe und Geschäftsführer des Instituts für Traumabewältigung in Friebertshausen. Er betreut Betroffene nach schweren Unglücksfällen wie Terrorangriffe und verfasst Bücher über den Umgang mit Krisensituationen. Ein Gespräch über die aktuelle Terrorangst, seriösen Medien und die Gefahr von Push-Nachrichten.

Herr Pieper, in Ihrem letzten Buch „Die neuen Ängste: Und wie wir sie besiegen können“ schreiben Sie, in Deutschland herrsche ein „Klima der Angst“. Was genau meinen Sie damit?

Es ist zu beobachten, dass die Sorge der Menschen vor Terroranschlägen in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Bei Umfragen der R+V Versicherung zu den Ängsten der Deutschen war die „Angst vor Terror“ 2016 zum ersten Mal auf Platz Eins. 2017 immer noch. Vor ein paar Jahren war die größte Sorge der Deutschen noch der Verlust des Arbeitsplatzes. Das Unsicherheitsgefühl ist immens gewachsen.

Wie ist das zu erklären?

Eine große Rolle spielen die heutigen Medien. Die meist plakativen Push-Nachrichten auf dem Smartphone erinnern die Menschen immer wieder daran, dass etwas Schlimmes um sie herum passiert – auch, wenn sie sich gar nicht damit beschäftigen wollen. Das stößt Angst-Reaktionen an, die die Menschen nie richtig abbauen. Sie sind permanent von Unbehagen erfüllt.

Was müssten die Medien anders machen, damit das nicht mehr passiert?

Sie müssten wegkommen von diesen ganzen Push-Nachrichten und Live-Tickern. Aber das wird nicht passieren. Medienleute wollen Geld verdienen und die „Faszination des Grauens“ lässt sich nun einmal am besten verkaufen. Ich habe selber mit Journalisten gesprochen, die in ihrer Redaktion zu hören bekommen: „Warum bringst du keine Bilder von Toten? Unsere Konkurrenz macht das auch. Das bringt mehr Auflage!“

Muss der Konsument sich ändern, wenn die Medien es nicht tun?

Ja. Wir müssen lernen, mit den Medien klug umzugehen. Das heißt: Keine Push-Nachrichten verfolgen und sich ein- bis dreimal am Tag gezielt vornehmen, seriöse Nachrichten zu schauen. Negativ- und Horrornachrichten haben ein immenses Suchtpotential. Darüber müssen wir reden, vor allem mit Jugendlichen. In die Schulen reingehen, aufklären, und auf junge Leute wirken. Dann könnte sich das „Klima der Angst“ langsam legen.

Von Kai Jostmeier und Max Schweizer.