Als Teil einer Lehrredaktion, bereitgestellt von den Masterstudenten der Medienwissenschaft, gibt es nun hier bei uns eine kleine Interview-Reihe, bezüglich des Themas Terror in Zeiten der digitalen Medien. Weiter geht es nun mit einem Interview mit Bernd Zywietz.
„Der zielgerichtete Versuch, politische Meinungen und öffentliche Sichtweisen zu formen.“- so lautet nur eine von vielen Definitionen von Propaganda. Durch das Internet hat auch Propaganda neue Wege gefunden; denn jeder hat dadurch die Chance Inhalte zu teilen und diese damit zu verbreiten. Medien- und Filmwissenschaftler Bernd Zywietz forscht an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz 10 zum Thema „Online-Propaganda“. Dabei stehen vor allem audiovisuelle und radikalislamische Inhalte des sogenannten „Islamischen Staats“ und deren Verbreitung im Internet im Fokus.

Herr Zywietz, durch das Internet und besonders das sogenannte Web 2.0 kann auch der IS seine Inhalte verbreiten. Welche Ziele verfolgt der IS durch seine Präsenz in Sozialen Medien?

Ziele des IS sind die Verbreitung seiner Weltansichten, die Selbstdarstellung und die Werbung von Anhängern. Der IS nutzt die Sozialen Medien aber auch zum Aufbau und der Konsolidierung eines „virtuellen Kalifats“: eine Internet-Gemeinschaft und Erlebniswelt mit Punkten des Austauschs und der Versorgung mit medialen Inhalten.

Auf Ihrem Online-Blog „Online-Propagandaforschung“ betiteln Sie die Inhalte des IS im Internet als Propaganda. Warum können diese Inhalte bzw. die Präsenz des IS in Sozialen Medien als Propaganda bezeichnet werden?

Inhalte oder Texte sowie kommunikative Aktionen können insofern als Propaganda bezeichnet werden, als sie strategisch auf ein breites Publikum ausgerichtet sind, um diese für die Ideologien des IS und seine Sichtweisen zu überzeugen sowie entsprechenden Handlungen wie beispielweise Sympathiebekundungen oder materielle Unterstützung zu verleiten.

Im Interview mit CampusTVMainz aus dem Jahr 2015 sprechen Sie im Zusammenhang mit dem IS auch von „Digital-Propaganda“. Inwiefern unterscheiden sich hier Digital-Propaganda und Online-Propaganda?

Bei „Digital-Propaganda“ richtet sich der Fokus eher auf seinen konkreten „Content“, seine „Konsistenz“ und die technischen Verbreitungswege. Von Online-Propaganda würde ich mit Bezug auf die markanten Eigenschaften des „Web 2.0“ als digitalem, sozialen und kulturellen Erfahrungsraum sprechen – wenn es um die Interaktion und die Partizipation geht.

Von Sandra Gottschling.