Bereits das erste, schwarz-weiße Bild, erstaunt. „Murat sein Benz“ (Valérie Eiseler, Yasemin Said und Julien Bucaille) wollten unbedingt einen typischen Film Noir drehen, wie Valérie erzählt. Als Inspiration diente ihnen dabei unter anderem die Detektivgeschichte aus dem Spiel LA Noire, welches die Drei damals spielten. Die Grundidee stand also und musste nur noch mit dem Thema „Medienkonvergenz und Gaming“ verknüpft werden. „In vielen Brainstormings und einigem an Puzzlearbeit haben wir dann einen Kompromiss gefunden“, sagt Valérie. Das Thema wird durch einen Film im Film, einem eingebundenen Trailer für ein Computerspiel, angesprochen.

Zerstörerischer Ehrgeiz

Doch nun zur Geschichte: Ein gebrochener Mann sitzt in einem Verhörraum. Ein Detektiv erzählt aus dem Off die Story – eine tiefe und raue Stimme unterstützt die aussagekräftigen Bilder. Der Mann hatte den Auftrag, einen Trailer für ein Videospiel zu drehen. Inhaltlich und technisch gesehen war dieser auch gut, aber der Auftraggeber ist nicht zufrieden und meint läppisch „Nein, das war nichts!“ Der Trailer ist ihm nicht brutal genug, es spritzt kaum Blut. Schlussendlich arbeitet man schließlich doch nur für die Verkaufszahlen! Der Produzent des Trailers fühlt sich unter Druck gesetzt und zerbricht letztendlich an diesem. Mit seinem Kameramann zieht er los, um echte, schonungslose Bilder der Gewalt vor seine Linse zu bekommen. Mit fatalen Folgen…

Was will uns „Der Anarchist“ eigentlich sagen?

Die Handlung lässt Spielraum für einige Interpretationen und Ansichten. So gibt es selbst innerhalb des Teams verschiedene Blickwinkel hinsichtlich der Message. Man kann den Film zwar einerseits als Übertreibung und Metapher, aber durchaus auch als eine Art Worst-Case-Szenario verstehen, in dem der zunehmende Heißhunger auf Authentizität die Überhand gewinnt. Einig sind sich die drei insofern, als dass die Kritik ernst gemeint ist und nicht nur eine fiktive Geschichte erzählt werden soll. Julien unterstreicht das Filmzitat „Der Drang nach dem Mehr verwandelt sich in das Zuviel“, welches für ihn einen Teil der Kernbotschaft ausmacht. Valérie ergänzt, dass dieser Drang jedoch immer auch auf das Individuum zurückgeht, weil jeder Mensch trotz des Leistungsdrucks immer noch einen freien Willen besitzt.

„Wir wollten darauf hinweisen, wie viel unrealistisches Engagement die Medienbranche für realistische Inhalte fordert. Dem Zuschauer sollen die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten vor Augen geführt werden, die mehr oder weniger als moralisch richtig angesehen werden. Die Message an unsere Zuschauer lautet wohl (sofern wir überhaupt eine formulieren können): Gib dich selbst nicht auf, nur um zu verkaufen! Das ist ein Grundsatz, den wir auch branchenübergreifend verstehen und vermitteln wollen.“ (Valérie Eiseler, Yasemin Said)

„Kritik“

Das „Negative“ an „Der Anarchist“ ist wohl, dass zu viel in den fünf Minuten passiert, um den Einzelheiten des Puzzles das nötige Maß an Aufmerksamkeit zu schenken. Vom Licht über die Einstellungen, von den Schauspielern bis hin zum authentischen, beziehungsweise nahezu poetischen Sprechertext, sowie der technischen Ausarbeitung, dem Schnitt und dem Sound Design: Akribisch wurde an kleine Details gedacht und an ihnen gefeilt, weshalb ich nur empfehlen kann, sich den Film einige Male anzusehen. Jedes Mal wird dir etwas Neues auffallen!

von Maya Morlock