Frustriert zündet er sich eine Zigarette an und setzt sich an seine Schreibmaschine. Bei schummrigem Licht schreibt er einen Brief an seine ehemalige Freundin. Er denkt über die schönen gemeinsamen Erlebnisse nach, sieht sie gemeinsam am Bodensee stehen, während die Gräser leicht im Wind wehen. All das ist jetzt Vergangenheit.

Gesellschaftskritisch fasste das Team „tamtam“ bestehend aus Janina Wollensak, Kristin Ruff, Moritz Moser und Sebastian Luther das damalige Tübinale-Thema „Medienkonvergenz und kultureller Wandel“ auf. Inzwischen ist der im Film thematisierte Trend zum Alltagsbild in Bars und Lokalitäten geworden: Junge Menschen sitzen beisammen, doch von einer geselligen Runde kann nicht mehr die Rede sein. Das Handy verleitet zur sozialen Abwesenheit und führt dazu, dass reale Kontakte verkümmern.

Wer diesem Trend kritisch gegenübersteht, kann die Handysucht nicht nachvollziehen. Der ständige Blick seiner Freundin in die virtuelle Welt geht auch dem Protagonisten in „It’s complicated“ gehörig auf den Zeiger. Ihre soziale Abwesenheit empfindet er als extreme Störung, sodass er schlussendlich keinen anderen Ausweg sieht und die Beziehung beendet.

„It’s complicated“ lebt von den Bildern und der Musik, die eine authentische Atmosphäre schaffen. Ohne Worte transportieren die Kameraeinstellungen und die geglückten Lichtverhältnisse die Geschichte. Raffiniert sind die zwei unterschiedlich Handlungsstränge: Zum einen der Protagonist, der seinen Brief an der Schreibmaschine verfasst, und zum anderen die von wundervollen Ausflügen bis hin zu Barbesuchen reichenden Erinnerungen, in denen das Handy nicht mehr wegzudenken ist. Geschickt wurden diese Stränge montiert, sodass sie dem Zuschauer sofort klar werden.

Sechs Tage lang war „tamtam“ unterwegs, um die perfekten Bilder einzufangen und die geeigneten Kameraeinstellungen zu finden. Schwierigkeiten bereitete ihnen die Musik, da diese GEMA-frei sein musste. Sie fragten daher bei ihnen bekannten Bands um die Freigabe einzelner Lieder an und konnten sich sogar von der GEMA selbst eine Erlaubnis einholen.

Herausgekommen ist ein atmosphärisch perfekter Film, der den Zuschauer durch seine tollen Bilder beeindruckt und die kritische Note prägnant vermittelt. Denn wozu trifft man sich, um sich dann anzuschweigen? Warum fällt es immer schwerer, im Hier und Jetzt zu leben? Warum muss beim leichtesten Anflug von Langeweile sofort die Facebook-Timeline gecheckt werden? Raubt das nicht die Spontanität und den Mut, Langeweile mit einem kreativen Einfall zu vertreiben?

Alles Fragen, die „It’s complicated“ zumindest bei mir ausgelöst hat. Mal sehen, wie du ihn interpretierst. Wenn auch schon drei Jahre alt, ist dieser Film thematisch immer noch brandaktuell.

von Maya Morlock


Weitere Einblicke und eine kleine Bildergalerie der Tübinale 2013 findet ihr auf der Website der Universität Tübingen